Die Balearen.

Aus der Einleitung zu "Die Balearen in Wort und Bild".

Die heute mit dem Namen "Balearen" bezeichnte spanische Inselprovinz mit der Hauptstadt Palma de Mallorca umfasst auch die von den Alten "Pityusen" gennanten Inseln Ibiza und Formentera mit mehreren kleineren Klippeneilanden.

Die Balearen liegen im westlichen Theile des Mittelmeers, fast in gleicher Entfernung von der afrikanischen Küste und von der Insel Sardinien; dagegen sind sie der spanischen Küste näher gerückt und besitzen deshalb auch, wenngleich verblasst, im Grossen und Ganzen den spanischen Charakter. Sie sind von einander nicht weit entfernt und bilden zusammen eine zwischen 40° 5' und 38° 38' nördlicher Breite und 1° 16' und 4° 25' östlicher Länge gelegene Gruppe, die eine Hauptrichtung von Nordosten nach Südwesten einhält. Ihre Oberfläche wird auf 5014 km2 geschätzt.

Abbildung aus dem Buch
Palma von der Muralla aus.

Ibiza steht bloss 45 Meilen, Menorca sogar nur 27 Meilen von Mallorca ab. Hiernach wäre zu vermuthen, dass diese Inseln viel mit einander gemein hätten; dies ist aber keineswegs der Fall. Es dürfte im Gegenteil, abgesehen von einer gewissen Aehnlichkeit in der Flora und Fauna, welche die gemeinschaftliche Lage mit sich bringt, schwer halten, anderswo Gegenden aufzufinden, die in einer so geringen Entfernung eine so verschiedene Physiogonomie aufweisen. Daher ist es auch nicht möglich, über sämtliche Balearen etwas allgemein gültiges zu sagen. Aus diesem Grunde werde ich jeder der vier grösseren Inseln Ibiza, Formentera, Mallorca und Menorca einen allgemeinen Theil vorausschicken, der auch für die kleineren, ihnen naheliegenden Inseln seine Geltung behält, da diese doch immer mehr oder weniger ihren grossen Nachbarn gleichen. In demselben werde ich auch ein Bild von dem Thierleben und der Planzenvertheilung auf jeder dieser Inseln geben.

Wie die Natur jeder Insel eine ganz besondere ist, so unterscheiden sich auch die Einwohner der Balearen (etwa 300.000 an der Zahl) wesentlich von einander, sowohl hinsichtlich ihres Typus und ihren Trachten, wie in ihren Gebräuchen, in dem Bau ihrer Häuser und in ihrer Bildung. Alle entfernen sich aber entschieden von den Spanieren des Continents; statt der abenteuerlichen Söhne Iberiens findet man auf den Balearen ein stilles ruhiges Volk, das mit den Spaniern des Festlandes kaum mehr als die angeborene Gefälligkeit und Gastfreundschaft gemein hat.

Auch in Bezug auf ihre Sprache weichen Sie gar sehr von den Bewohnern Castiliens ab und nähern sich vielmehr den Cataloniern, indem sie ein verdorbenes Spanisch reden, das zum Theil noch ein Überbleibsel des alten Limousins ist. Dieser Dialekt heisst nach der grösseren Insel das Mallorquinische, er hat sich aber zu einer selbständigen Sprache herausgebildet, die eine eigene, wenngleich nicht bedeutende Literatur aufzuweisen hat und auch von den höheren Ständen gesprochen wird.



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