Das Buch.

Die Balearen geschildert in Wort und Bild. (2 Bände)

Aus der Biografie von Leo Woerl mit Originalzitaten aus dem Werk Salvators:

Das Buch

Ein Werk, wie grossartiger auf dem Gebiete der Länder- und Völkerkunde zum mindesten seit Jahrzehnten keines erschien, sind "Die Balearen in Wort und Bild". Eine Riesenleistung und ein Prachtwerk zugleich in jeder Beziehung: sowohl in textlicher und illustrativer Beziehung, als auch nach Wert und Fülle des gebotenen Stoffes und an Schönheit der Form. Der Fleiss, mit dem der fürstliche Schriftsteller alles auf die herrlichen Inseln Bezügliche zusammengestellt hat, verdient in der That ebenso Anerkennung, wie das Feuer der Begeisterung, mit welchem er die Naturschönheiten zu schildern versteht.
Die Inselgruppe, welche mit dem Namen Balearen bezeichnet wird, beschränkt sich nicht allein auf die Inseln Mallorca und Menorca, sondern umfasst auch die nur wenige Meilen davon entfernten Inseln Ibiza und Formentera, welche von den Alten die Pityusen genannt wurden. Um sich einen Begriff von der Fülle und Gründlichkeit des Gebotenen zu machen, sei hier hervorgehoben, dass der Erzherzog 22 Jahre hindurch das Material zu seinem Werke sammelte und dass dasselbe vielfach Lokalquellen entstammt, welche vor ihm niemand hat benutzen können. Wiederholt ist der Erzherzog zum Zweck erneuter Forschungen nach den Balearen zurückgekehrt und hat längere Zeit dort gelebt. Sein Urteil über Land und Leute ist daher reif und wohlbegründet und in der Wissenschaft der Erdbeschreibung wird der Name des Erzherzogs Ludwig Salvator dauernd mit den Balearen als ihr geistiger Besieger ruhmreich verknüpft bleiben.

"Denen, welche die Inseln nicht kennen," sagt Erzherzog Ludwig Salvator im Vorwort, "werden diese Blätter eine Vorstellung ihrer landschaftlichen Reize geben; jenen, die sie durchwandert und die klare, durchsichtige Luft ihrer Berge genossen haben, mögen sie willkommene Erinnerungsblätter sein, wenn sie auch natürlich im Vergleich zur leuchtenden Wirklichkeit nur wie ein blosser Schatten erscheinen."

Während aus der ehemals so überreichen spanischen Krone ein Juwel nach dem andern herausgebrochen wird, ist diese Inselgruppe durch ihre wunderbare Lage im Mittelländischen Meer und ihren natürlichen Reichtum wie geschaffen, das Mutterland Spanien wenigstens einigermassen über jene Verluste zu trösten, und vermöchte es noch weit mehr zu trösten, wenn dasselbe sich entschliessen könnte, die natürlichen Hilfsquellen dieser Inseljuwele auf rationellere Weise als bisher auszunutzen.

Das Rathaus - Casa del Cort
Das Rathaus - Casa del Cort

"Was könnte", sagt Erzherzog Ludwig Salvator von der Hauptinsel Mallorca, "hier durch feingebildeten Kunstsinn nicht alles geschaffen werden bei den reichen, dort zu Gebote stehenden Mitteln; bei einem Klima, das alle subtropischen Gewächse im Freien gedeihen lässt, sodass Glashäuser eine ganz unbekannte Einrichtung sind, wo alles in schwelgerischster Üppigkeit treibt. In welchen paradiesischen Lusthain liessen sich nicht durch die Hand geschickter Gartenkünstler Teile aus den wasserreichen Thälern von Deja, Soller und Lluch verwandeln! Und selbst die waldbekleideten Bergesabhänge mit ihren phantastischen Ufersäumen und die wilden natürlichen Felsenwände, welche uralte Epheupflanzen umranken, liessen sich zu grossartigen Parkanlagen verwenden, wenn man nur die schönsten Stellen zugänglich machen würde!"

Das Klima wird nicht mit Unrecht wegen seiner lieblichen Temperatur und der Schönheit des Himmels mit dem südlichen Italien verglichen. Die Milde desselben übst sogar einen höchst günstigen Einfluss auf manche chronische Leiden und auf altersschwache Leute aus.
Nachdem das Aufsuchen herrlicher Punkte förmlich zum Sport geworden ist und der Kreis von Jahr zu Jahr weiter gezogen wird, welcher die unzähligen Orte umschliesst, die von der Gesellschaft als Luftkurorte, Mode- und Luxusbäder bevorzugt werden, bedarf es vielleicht nur der Anregung des Erzherzogs, um die Erholungsbedürftigen auf diese gottbegnadigten Eilande aufmerksam zu machen; selbst die wirklich Leidenden finden auf Mallorca eine Heilstätte mit starker warmer Schwefelquelle. Bei dem ausserordentlichen Komfort, den unsere Verkehrsmittel gewähren, giebt es ja keine Entfernung mehr.
Obschon die einzelnen Inseln eigentlich nur einige Meilen entfernt voneinander liegen, so haben sie doch manche Verschiedenheiten ihrer Physiognomien aufzuweisen, was den Erzherzog veranlasste, jeder der genannten Inseln einen allgemeinen Teil vorauszuschicken. Von jeder der Inseln werden die geographischen und geognostischen Verhältnisse, Klima, Fauna und Flora eingehend erörtert, die Kultur und Erträgnisfrage des Bodens und des Waldes, Weinbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei, Schiffahrt und Schiffbau, Industrie und Handel, das Verkehrswesen, Behörden und Abgaben eingehend dargelegt. Die Bewohner führt uns der Erzherzog mit ihren Trachten, Sitten und Gewohnheiten, ihrer Nahrung, Kleidung vor; ihren gesellschaftlichen Vergnügungen, Spielen und Gebräuchen bei Festlichkeiten wird besondere Beachtung geschenkt und wir erfahren auch, was zur Pflege der Wissenschaften, des Unterrichts u. s. w. auf den Balearen geschieht, sowie welche Litteratur und Zeitungen dort erscheinen.



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